Die Liebe Gottes – Teil 1 | thebereancall.org

Die Liebe Gottes – Teil 1

Hunt, Dave

Die Liebe Gottes – Teil 1

Dave Hunt

Auszug aus „Whatever Happened to Heaven?, publiziert 1988.

Die einzigartige Fähigkeit, gedankliche Vorstellungen zu bilden und sie sprachlich auszudrücken, trennt wohl die Menschheit durch einen Abgrund, den kein evolutionärer Prozess je überbrücken kann, von allen niedrigeren Geschöpfen. Obgleich das stimmt, gibt es eine weitere Fähigkeit, die den Menschen noch mehr von den Tieren trennt. Paulus erklärte es so: „Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle“ (1 Korinther 13,1). In modernem Kontext ausgedrückt, ohne Liebe ist der Mensch ein Roboter – ein Computer, programmiert zu sinnlosen Reaktionen. Mit einem Wort, Liebe macht ein menschliches Wesen aus.

Gott hat der Menschheit wunderbare Fähigkeiten gegeben. Denken Sie an die großartigen Wissenschaftler und Philosophen, die die Geheimnisse des Lebens erforscht haben; und die Dichter, Romanschreiber und Musiker, die die Tiefen der menschlichen Erfahrung in fesselnder Weise ausgedrückt haben. Wir müssen nicht über die Absurdität der Evolution streiten, um überzeugt zu sein, dass die Fähigkeit, in die Geheimnisse des Atoms zu schauen oder eine Oper zu komponieren oder zu schätzen, Qualitäten umfasst, die kein Tier erlangen kann, indem es ein größeres Gehirn und ein weiterentwickeltes Nervensystem entwickelt. So fabelhaft wie diese Fähigkeiten jedoch sind, sie sind nicht vorrangig bei dem, was menschliches und tierisches Leben unterscheidet. Es ist die Liebe.

Was meinen wir mit Liebe? Bestimmt nicht die populäre Vorstellung wie in den heutigen Medien geschildert. Der Aufkleber „Make Love not War“, zeigt die allzu übliche Trivialisierung der höchsten Fähigkeit des Menschen. Liebe ist weit mehr als Sex. Tiere können den genießen. Und wenn echte Liebe fehlt, wird Sex bloße Befriedigung animalischer Instinkte, die den menschlichen Geist nicht zufriedenstellen können.

Ja, so lange wir in Körpern aus Fleisch und Blut auf diesem Planeten leben, gibt es Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Tieren. Wir haben gewisse Grundbedürfnisse wie Speise, Wärme und Wasser. Wir kennen Hunger und Durst, wie die Tiere. Wir haben auch starke sexuelle Bedürfnisse und andere fleischliche Gelüste, aber Gott wollte diese Leidenschaften durch die Liebe kontrolliert wissen. Der Wille ist der Lust nicht gewachsen, aber Gottes Liebe, die im Menschen wirkt, kann das Böse mit reinem Verlangen besiegen. 

Wenn wir nicht durch Gottes Liebe motiviert sind, werden wir im Leben scheitern. Aus eigennützigen Motiven, wie Lob anderer, können manche scheinbar ihre physischen Begierden besiegen und Gott treu bleiben. Wahrer Sieg wird jedoch nicht zwingend von denen errungen, die äußerlich siegreich scheinen. Wenn Liebe fehlt – die nach Paulus wesentlich ist – ist auch der Tod auf dem Scheiterhaufen aus Gottes Sicht wertlos. 

Ohne Liebe, so Paulus, sind wir nichts. Wenn wir so sind, bedeutet es nicht, dass wir nicht existieren, sondern dass wir nicht das sind, was der Schöpfer beabsichtigte. Ohne Liebe sind wir kein richtiger Mensch, egal wie viel wir wissen oder wie klug wir sind. Der Grund sollte klar sein. Wir sind im Bilde Gottes geschaffen, der über Sich gesagt hat, „Gott ist Liebe“. Somit muss das eigentliche Wesen des Schöpfers, der den Menschen in Seinem Bilde schuf, das Wesen des Menschen im Geschaffenen sein. Mit reichlichen Beweisen sehen wir in der Perversion dieses Wesens, dass etwas schrecklich falsch lief.

Wir müssen nicht Griechisch können und den Unterschied zwischen den verschiedenen Arten von Liebe (wofür das Griechische verschiedene Worte hat), um zu erkennen, dass die Liebe, die Paulus in 1 Korinther 13 beschreibt, jenseits allem ist, was die Menschheit üblich erfährt oder ausdrückt. Es gibt da eine göttliche Qualität, die durchscheint, eine Qualität, die für das Gewissen glaubhaft klingt und uns verdammt. Wir können mit dem Standard, den Paulus setzt, nicht streiten. Wir wissen, dass wahre Liebe genau das sein soll, was er beschreibt, aber gleichzeitig müssen wir beschämt zugeben, dass uns solche Liebe nicht möglich ist. Dennoch wissen wir auch, dass wir irgendwie genau für diese Art von Liebe gemacht sind und dass unser Versagen, sie zu erfahren, ein Mangel ist, für den wir verantwortlich sind und wir einen tiefen Verlust empfinden, weil sie uns fehlt. 

Paulus schildert eine Liebe nicht von dieser Welt. Das ist weiterer Beweis, dass wir für eine andere Welt gemacht wurden. Wir wissen, was wirkliche Liebe sein sollte, und es stößt bei uns auf Anklang wie die Beschreibung eines Landes, das wir nie gesehen haben, aber in das wir wohl gehören wollen. Wir müssen keinen anderen Teil der Bibel lesen als dieses „Liebes“ Kapitel, um zu wissen, dass der Mensch gefallen ist. Wir können sagen, „ich liebe dich!”, und vielleicht nicht einmal erkennen, dass wir tief in uns meinen, „ich liebe mich und will dich!“ Das ist die Tragödie unserer gegenwärtigen menschlichen Erfahrung.

Dennoch haben die Worte, „Ich liebe dich“, die Macht, sowohl die Person, die sie ausspricht wie die angesprochene, wunderbar zu verändern. Das ist der höchste Ausdruck, zu der ein Mensch, als Geschöpf, im Bilde Gottes geschaffen, fähig ist. Manche Leute können diese Worte kaum aussprechen, andere finden es peinlich, sie zu hören. Dass Gott, der das Universum geschaffen hat, diese wunderbaren Worte persönlich und vertraut zu jedem von uns gesprochen haben soll, können wir alle beinahe unmöglich glauben. Und Er hat es so getan, wie es kein anderer konnte: Er wurde Mensch und starb am Kreuz für unsere Sünden. Er hat somit Seine Liebe völlig bewiesen, und es gibt keine Entschuldigung, je daran zu zweifeln.

Diese einmalige Manifestation von Gottes Liebe macht das Christentum zu dem, was es ist. Es gibt viele Facetten unseres Lebens in Christus, die es total einzig machen. Die Beziehung, der sich jeder Christ mit Christus selbst erfreuen darf, ist das wunderbarste Unterscheidungsmerkmal – eine vertraute persönliche Beziehung, die keine andere Glaubensrichtung hat, und die auch absolut wesentlich ist, wenn jemand Christ sein will.

Ein Buddhist dagegen kann keine persönliche Beziehung zu Buddha haben, es ist auch unnötig. Auch die Praxis des Islam wird nicht gehindert, denn Mohammed ist im Grab. Es ist kein Hindernis für die historischen Weltreligionen, dass ihre Begründer tot und beerdigt sind. Nicht so beim Christentum. Sollte Jesus Christus heute nicht leben, gäbe es keinen christlichen Glauben, denn Er ist alles, was er bietet. Christentum ist keine Massenreligion, sondern eine persönliche Beziehung.

Im Zentrum dieser Beziehung gibt es eine so erstaunliche Tatsache, die die meisten Christen, auch wenn sie den Herrn so viele Jahre gekannt haben, selten völlig genießen können. Wir glauben sie intellektuell, aber finden sie zu wunderbar, um die Auswirkungen in unserer aktuellen, täglichen Erfahrung zu akzeptieren.

Wir sind so wie ein häusliches Kleinstadtmädchen aus einer sehr armen Familie, die der schönste, wohlhabendste, mächtigste und intelligenteste Mann umwirbt, der in jeder Weise der begehrenswerteste ist, der je lebte. Sie freut sich der Dinge, die er ihr gibt, ist aber nicht fähig, sich ihm ganz hinzugeben und ihn wirklich kennenzulernen, da sie es nicht glauben kann, dass er, bei all den attraktiveren Frauen der Welt, wirklich sie liebt. Und für sie ist es zu überwältigend, die vertraute Umgebung ihrer Kindheit zu verlassen – die Freunde und Familie, die alles waren, was sie kannte und liebte – und mit diesem Einen wegzugehen, der sie wohl so sehr liebt, um Teil einer anderen Welt zu werden, die so fremd und sogar unvorstellbar für sie ist.

Als wir Kinder waren, sangen wir „Jesus liebt mich, das weiß ich, da die Bibel es mir sagt“, und fanden zu der Zeit etwas kindlichen Trost in der schlichten Zusage. Wir reiften jedoch nie in der Liebe, weil es uns nicht beigebracht wurde. Mittlerweile kamen andere Lieben in unser Leben und wurden wichtiger als die Liebe Gottes.

Um sicher zu sein, lesen wir gelegentlich das Liebeskapitel (1 Korinther 13) und singen herzhaft (manchmal mit großartigen Gefühlen) Klassiker wie „Die Liebe Gottes ist größer als Zunge oder Stift je ausdrücken können….“ Wir sind aber keine Kinder mehr und die schlichte Tatsache, dass „Jesus mich liebt“, hat wohl seine Macht für uns verloren. Nicht weil sie intellektuell zu seicht ist, sondern aufgrund der tieferen Folgen, die wir nun undeutlich wahrzunehmen beginnen; sie sind geistlich und emotionell zu wunderbar.

Wie das Kleinstadtmädchen findet es jeder von uns sehr schwierig zu glauben, dass Jesus uns wirklich liebt. Obgleich wir Seinen Segen schätzen, gelingt es uns kaum, mit unserem himmlischen Verehrer vertraut zu werden, da es so unpassend scheint, dass der Herr des Universums uns umwirbt. Dass Er jeden liebt und wir in diese großartige Liebe eingeschlossen sind, ist zu herrlich. Meine Reaktion verfehlt die Freude, die Er für mich vorsieht.

Somit fehlt das Wesen des christlichen Lebens – seine wahre Quelle von Freude, Zuversicht und Macht – in so vielen so genannten Christen. Wir können sehr fundamental, evangelistisch und biblisch sein, und doch nicht erkennen, dass das Herz unseres Glaubens fehlt. Diese traurige Tatsache spiegelt sich darin, wie wir Christus der Welt präsentieren.

Wie wir leider gesehen haben, wich die Kirche früh in ihrer Geschichte so weit von den Grundlagen des Glaubens ab, dass die wesentliche persönliche Beziehung zu Christus ihre Bedeutung und Sinn verloren. Am Ende verweigerten Seine angeblichen Repräsentanten sie sogar denen, die sie brauchten. Christus sagt, „Kommt zu mir…. Ich bin die Tür… der Weg, die Wahrheit, das Leben.“ Die Kirche jedoch fing an zu behaupten, sie sei das Mittel der Errettung und rief die Welt zu sich statt zu dem Einen, von dem Petrus sagte, „denn es ist kein anderer Name… in dem wir gerettet werden sollen“ (Apostelgeschichte 4,12).

Nicht nur für Katholiken, sondern ebenso für viele Protestanten heute, ist der Beitritt zur Kirche der Ersatz einer wesentlichen rettenden Beziehung zu Christus geworden. Obwohl die Reformation eine Menge Häresien verwarf, ließ sie eine Menge „kirchliche Eigenheiten“ [Churchianity] intakt. Davon ausgehend sind Formen, Formeln und Einstellungen gewachsen, bis innerhalb eines Großteils des Protestantismus heute die Zuneigung und Ehre, die Christus selbst verdient, auf Pastoren und Loyalitäten zur Denomination gelenkt werden. Die leidenschaftliche Liebe, die die Braut für den Bräutigam haben soll, ist allzu oft unzulänglich, wenn sie nicht gänzlich fehlt.

Die Liebe Gottes erzeugt eine Liebe für andere, die Er liebt, und gibt somit die einzig wahre Motivation, den großen Missionsauftrag zu erfüllen. Wenn wir das Evangelium predigen, sind wir Boten von Gottes Liebe, und bekunden und teilen sie mit der Welt. Indem wir Jünger machen, bringen wir andere in eine Liebesbeziehung zu Ihm. Wir rufen sie nicht zurück unter das Gesetz, sondern in die Freiheit von Gottes Gnade. Die Liebe motiviert uns, auf eine Weise zu gehorchen, was gesetzliche Verpflichtung und Furcht vor Gericht nie tun könnten. Wie Jesus Seinen Jüngern sagte: „Wer meine Gebote festhält und sie befolgt, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren…. Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer mich nicht liebt, der befolgt meine Worte nicht…“ (Johannes 14,21.23.24)

Tragischerweise vergessen wir so leicht die Pracht und das Wunder von Gottes Liebe, nicht nur als Freude unseres Lebens und Motivation für Gehorsam, sondern auch gleichermaßen in Beziehung zum Evangelium. Wir können die Wahrheit von Johannes 3,16 als richterliche Handlung Gottes präsentieren und vergessen, dass der Vers anfängt mit „Denn so hat Gott die Welt geliebt….“ Das Erlösungswerk wurde durch göttliche Liebe entworfen und ausgeführt. Wir können das Evangelium richtig vorstellen und seinen Grundlagen treu bleiben, was Tod, Begräbnis und Auferstehung Christi an unserer Stelle für unsere Sünden betrifft, und vergessen dabei das Herz Gottes – und bringen es somit anderen nicht bei – was der eigentliche Kern der Botschaft ist.

Einige klassische Kirchenlieder drücken es so gut aus: „Sohn Gottes, Liebe ließ Dich sterben, um unsere kaputten Seelen zu retten….“ Ein anderes jubelt, „Oh Liebe, die mich nicht loslässt, meine müde Seele ruht auf Dir….“ „Oh Wunder“ ruft eine andere. Charles Wesley drückte es so kräftig aus: 

Und kann es sein, dass ich mich für des Retters Blut interessiere? Starb Er für mich, der Seinen Schmerz verursachte? Für mich, der Ihn bis in den Tod verfolgte? Erstaunliche Liebe, wie kann es sein, dass Du mein Gott für mich sterben solltest!

Viele Prediger versuchen, die Welt zu locken, „zu Christus zu kommen“ mit dem populären Angebot der geringeren Belohnungen: Gesundheit, verbesserte Gesellschaft und ein langes Leben auf Erden, während der wirkliche Kern der Errettung ist, Gott zu kennen und Teilhaber Seiner Liebe und Seines Lebens zu sein. Das Evangelium abzulehnen lehnt daher Gott selbst und Seine Liebe ab.

Das Problem des Menschen ist nicht, dass er aus dem irdischen Paradies vertrieben wurde, sondern von Gottes Gegenwart getrennt wurde. Das ist die große Tragödie. Wer die physischen Vorteile von Eden rückgewinnen, das Paradies ohne die fehlende Gegenwart wiederherstellen, ein Reich ohne den König etablieren will, der in Macht und Herrlichkeit regiert, hat sowohl Problem wie Lösung missverstanden. Unser Ziel ist, ein Hunger für Gott selbst wiederzuerwecken und das Wunder, die Anbetung und Liebe, die wir für Ihn haben sollen, zu stimulieren.

Zu wissen, Er liebt uns, nicht für etwas in uns, sondern weil Er Liebe ist, sagt uns etwas sehr Wichtiges: Mit gleicher Liebe liebt Gott die ganze Menschheit. Es gibt keinen besonderen Grund, warum Er einen von uns mehr als andere lieben sollte. Er sieht die Person nicht an; Gott bevorzugt nicht. Und hier sehen wir einen anderen Grund, die Sicht abzuweisen, dass Gott nicht die ganze Menschheit genug liebt, und will, dass jeder in den Himmel kommt. Im Menschen gibt es keine Grundlage (alle haben gesündigt und alle Herzen sind gleich), dass Gott manche mehr liebt als andere – oder manche liebt und andere nicht. So erfahren wir, „So sehr hat Er die Welt geliebt“, dass Er Seinen Sohn in die Welt sandte, „damit die Welt durch Ihn gerettet wird.“ Es gibt keine größere Liebe! TBC

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