Verteidigt den Glauben 2015_12 | thebereancall.org

Hunt, Dave

Studierte Jesus in Indien unter den Gurus?

Frage: Die Evangelien schweigen über die etwa 18 Jahre zwischen dem letzten Mal, wo wir von Jesus als 12 jährigem Jungen im Tempel hören (Lukas 2,41-52) und dem Anfang Seines Dienstes mit etwa 30 Jahren (Lukas 3,23). Nicht nur in The Aquarian Gospel, sondern auch in einer Zeitung, bin ich mehrfach auf den Bericht gestoßen, Jesus habe während dieser fehlenden Jahre in Indien unter den Gurus studiert. Die Weisheit, die er dort vermutlich erwarb, wurde zur Grundlage Seines Dienstes. Warum nicht?

Antwort: Beim weitest zirkulierten Bericht war ein angeblicher Nicholas Notovitch beteiligt, der behauptete, er habe während seiner Tibet Reise in den späten 1800 von tibetischen Lamas erfahren, in einem Kloster im Himalaya gebe es einen Bericht über den Besuch Jesu. In den frühen 1900 erfuhr ein anderer Besucher angeblich dasselbe. Keiner, der solche Berichte lesen oder übersetzen konnte, sah sie jedoch je. Keine Kopie wurde zur Untersuchung in den Westen gebracht. Nun geht die Geschichte, dass die „Aufzeichnungen“ zerstört seien. [1]

Würde die Bibel nur auf solchem Beweis beruhen, hätten die Kritiker sie schon längst zu Recht abgelehnt. Doch jene, die für alles, was die Bibel sagt, Beweise verlangen, glauben solch spekulative Behauptungen sofort. Dieser Doppelstandard zeigt eine große Einseitigkeit der Skeptiker, die angeblich nur an der Wahrheit interessiert sind.

Alle Beweise sagen das Gegenteil

Zunächst mal gibt es nicht die Spur von historischen oder archäologischen Beweisen, Jesus habe je Indien besucht, geschweige denn dort studiert. Diese Theorie wird überdies durch alles entkräftet, was Jesus während Seines Dienstes sagte und tat. Die Lehren, die Jesus den Juden brachte, stimmten mit ihrer ganzen Schrift überein (die Er oft als autoritativ zitierte) und ohne den geringsten Hauch von Hinduismus oder Buddhismus. Hätte Er unter den Lehrmeistern Indiens oder Tibets studiert, wäre Er verpflichtet gewesen, ihre Lehre zu stützen und Seinen Guru zu ehren. Seine Lehren waren vielmehr die genaue Antithese allen östlichen Mystizismus.

Der neutestamentliche Bericht, der durchgängig konsistent ist, lässt nicht zu, Jesus habe je solche ausgedehnten Reisen unternommen. Die Leute in seiner Heimatstadt Nazareth kannten ihn als den „Zimmermann, der Sohn der Maria, der Bruder von Jakobus und Joses und Judas und Simon“ (Markus 6,3). Es folgt gewiss, Er war eine vertraute Persönlichkeit Seiner Heimatstadt, der in der lokalen Gemeinschaft aufgewachsen und geblieben ist. Er war kein jüdischer Marco Polo, der zu exotischen und entfernten Orten gereist war.

Freunde und Bekannte waren erstaunt, als Jesus plötzlich in Galiläa herumreiste und vor großen Mengen predigte. Für die Familie und Nachbarn war es ein Skandal, dass Jesus Sich als religiöser Lehrer präsentierte. Sie behandelten Ihn mit einer aus Vertrautheit stammenden Geringschätzung, nicht mit der Ehrfurcht, die sie einem erwiesen hätten, der weit gereist war und in solch weit entfernten Ländern wie Indien und Tibet studiert hatte.

Jeder Guru, der in den Westen kommt, preist und ehrt seinen Lehrmeister, denn jeder Hindu, einschließlich der Gurus selbst, muss einen Guru haben, dem er folgt. Doch der angebliche „Guru Jesus“ bezog sich nie auf einen Guru oder zitierte religiöse Schriften außer den jüdischen. Er behauptete, er sei nicht von einem Lehrmeister des Ostens gesandt, sondern von Seinem Vater im Himmel (Johannes 5,23.30.36; etc.), ein Begriff, der den Gurus nicht bekannt war und den die Rabbis hassten.

Gurus behaupten, als Mensch durch Yoga und asketische Praktiken die mystische „Erkenntnis“ erreicht zu haben, „Atman [die individuelle Seele] sei identisch mit Brahman [universelle Seele]“ und sie seien dadurch „selbsterkannte Götter geworden. Hätte Jesus unter ihnen studiert, hätte Er denselben Irrglauben gelehrt. Doch total im Widerspruch zu diesem unmöglichen Traum und weit entfernt zu behaupten, ein Mensch zu sein, der sich nach oben zur Gottheit abmüht, stellte sich Jesus als der ICH BIN (Jahwe) des Alten Testaments vor, der Gott Israels, der sich erniedrigte, Mensch zu werden.

Denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben…. Ehe Abraham war, bin ich…. Jetzt sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschehen ist, dass ich es bin…. Noch eine kurze Zeit, und ihr werdet mich nicht sehen… denn ich gehe zum Vater…. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater…. Ich und der Vater sind eins. (Johannes 8,24.58; 13,19; 16,16.28; 10,30)

Unvereinbare Unterschiede zwischen Christus und den Gurus

Die Gurus bestreiten die Existenz von Sünde oder eines absoluten, moralischen Standards. Das Dharma jeder Person sei verschieden und muss bei der mystischen Reise zur Einheit mit Brahman individuell entdeckt werden. Christus beanspruchte dagegen, Er sei „das Licht der Welt“ (Johannes 8,12), und gerade Sein Leben stellte das Böse in der Menschheit bloß. Überdies verhieß er, den Heiligen Geist zu senden, um die Welt von „Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht“ zu überführen (Johannes 16,8). Jesus gab bekannt, Er sei gekommen, um Sünder zur Buße zu rufen (Markus 2,17) und sie durch Seinen Opfertod für die Sünden der ganzen Welt vor dem ewigen Gericht zu retten.

Christi Leben und Lehre steht im vollsten Widerspruch zum Hinduismus, den Er in Indien lernen würde, hätte Er dort studiert. Er hätte ihn sicher praktiziert und den Juden gelehrt, als er nach Israel zurückkehrte. Diese Theorie findet im Neuen Testament, das wir von Augenzeugen bekamen, absolut keine Unterstützung.

  • Die Gurus lehren einen beständigen Zyklus von Tod und Reinkarnation. Jesus dagegen erstand auf, wie Er sagte, und verhieß Seinen Jüngern dieselbe Befreiung vom Tod. Reinkarnation und Auferstehung sind entgegengesetzt. Man kann nicht an beide glauben.
  • Die Gurus lehren beständige Rückkehr auf diese Erde – ein Leben nach dem anderen, um das angebliche „Karma“ durchzuarbeiten. Jesus lehrte Vergebung der Sünden, um so passend für den Himmel zu werden.
  • Der Himmel ist für die Gurus ein mystischer Zustand der Einheit mit dem Absoluten. Jesus aber lehrte, im Himmel zu sein bedeute, ewig in Seines Vaters Haus der „vielen Wohnungen“ zu wohnen (Johannes 14,1-4).
  • Die Gurus sind alle Vegetarier. Jesus aß das Passahlamm, speiste die Vielen mit Fisch, und aß sogar nach Seiner Auferstehung Fisch, um Seinen zweifelnden Jüngern zu zeigen, Er sei körperlich auferstanden, und nicht ein „Geist“, wie sie annahmen.
  • Es gab Tausende Gurus, aber Jesus beanspruchte, der alleinige Sohn Gottes zu sein, der einzige Retter der Sünder.
  • Die Gurus lehren, es gebe viele Wege zu Gott. Jesus verkündete: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Johannes 14,6).
  • Alles, was Jesus sagte und tat, tritt den Lehren von Hinduismus und Buddhismus entgegen und widerlegt die falsche Behauptung, Er habe in Indien oder Tibet studiert.

Diese falsche Theorie zeigt wieder einmal, wie unmöglich es wäre, eine fingierte Geschichte von Jesus zu erfinden und sie in tatsächliche Ereignisse auf der Erde einzupassen. Die abwegige Theorie, Jesus habe in Indien unter den Gurus studiert, passt einfach nicht ins Neue Testament – und wenn, wäre das Neue Testament unvereinbar mit dem Alten und nicht seine Erfüllung, wie es sein musste. Auch würden Altes wie Neues Testament nicht in die Weltgeschichte passen, es sei denn, beide sind wahr. Die perfekte Harmonie der Schrift mit der etablierten Geschichte zeigt sich bei jedem sorgfältigen und ehrlichen Studium von beiden.

1. Larry Whitham, “Book backs theory Jesus visited India before public life,” in Washington Times , November 27, 1987, p. E6.

Auszug aus Verteidigt den Glauben (Seiten 123-127 – englische Originalausgabe) von Dave Hunt